Wer zum ersten Mal in eine frische Path of Exile 2-Liga startet, entscheidet mit der Wahl der Ascendancy, ob die Kampagne flüssig läuft oder zur Quälerei wird. Neulinge brauchen nicht die Klasse mit dem „höchsten Ceiling“. Sie brauchen die, die schlechtes Gear verzeiht, Fehler wegsteckt und Maps erreicht, ohne dass man vorher einen 40-seitigen Guide durchackern muss. Hier kommt die klare Antwort – samt Begründung, damit ihr sie an euren Spielstil anpassen könnt.
Die kurze Antwort: Warrior mit Titan
Für einen echten ersten Charakter ist der Warrior mit der Titan-Ascendancy der gnädigste League-Start in Path of Exile 2. Der Warrior startet in der Stärke-Ecke des Baums, ihr nehmt beim Leveln also ganz automatisch fette Leben- und Rüstungs-Nodes mit. Dadurch hat euer Charakter selbst mit Schrott-Gear einen großen effektiven Lebenspool – und genau in dieser Lage steckt ein Neuling die ersten 20 Stunden.
Titans Aushängeschild ist Surprising Strength, das euch einen ordentlichen Teil eurer Stärke als zusätzlichen Bonus gibt, dazu Crushing Impacts, wodurch eure schweren Treffer Armour Break anwenden und Gegner komplett zerschmettern. In der Praxis: Ihr schwingt eine Mace, die Mobs verlieren ihre Rüstung und kassieren beim nächsten Schlag mehr Schaden. Maces haben obendrein das sauberste Skill-Kit im frühen Spiel: Hammer of the Gods für Bosse, Sunder oder Boneshatter zum Clearen, Leap Slam für die Bewegung. Euch geht nie der Knopf aus, der gerade funktioniert.
Der ehrliche Haken: Der Warrior ist langsam. Angriffe haben Vorlauf, und gegen schnelle Packs spürt ihr das deutlich. Wenn „bedächtig und tanky“ für euch nach Langeweile klingt, lest weiter – der nächste Pick löst genau das Tempo-Problem.
PoE2 Chaos OrbsChaos Orbs for rerolling and trading, delivered fast.from 4 EURGet it doneDie schnelle und sichere Alternative: Witch mit Infernalist
Wer lieber aus der Distanz sicher spielt, statt im Nahkampf Schläge zu fressen, rollt eine Witch und nimmt Infernalist. So stark für Einsteiger macht das der Hellhound: ein permanenter Dämonenhund als Minion, der für euch tankt, Gegner tauntet und euch vom hinteren Bildschirmrand aus casten lässt. Ihr selbst steht selten in der Schusslinie, was Positionierungsfehler verzeiht, die einen Nahkämpfer sofort ins Grab bringen würden.
Infernalist bietet außerdem den Altered Flesh-Pfad, der einen Teil eures Lebens in einen feuerbasierten Puffer umwandelt und Chaosresistenz gibt – das entschärft einen der fieseren Schadenstypen der Kampagne. Kombiniert das mit einem Minion-Build (Skelett-Minions plus Hellhound) oder einem Flame-/Spark-Caster, und ihr habt einen Build, der schnell cleart und selten stirbt. Der Haken: Minion-Builds brauchen erst ein paar Support-Gems, bevor sie sich gut anfühlen. Die ersten beiden Akte können sich also schwach anfühlen, bis euer Spirit-Pool wächst.
Der „Ich will große Zahlen sehen“-Pick: Sorceress mit Stormweaver
Wer von anderen Action-RPGs kommt und befriedigende Screen-Clears will, sollte sich die Sorceress mit der Stormweaver-Ascendancy anschauen. Spark- und Lightning-Builds mit Stormweavers Conduit- und Shock-Stacking-Nodes löschen ganze Packs aus. Sie gehört zu den stärksten Mapping-Klassen im Spiel.
Warum sie trotzdem nicht mein Top-Pick für Neulinge ist: die Verteidigung. Die Sorceress ist squishy, hängt an Energy Shield plus Dodge-Roll und bestraft einen einzigen falsch getimten Roll in einen Boss-Slam knallhart. Ein fantastischer zweiter Charakter, sobald ihr die Gegner-Telegraphs kennt – aber ein holpriger erster, wenn ihr noch lernt, wann man rollt.
So trefft ihr die Wahl wirklich
- Ihr habt noch nie PoE gespielt und sterbt in ARPGs ständig: Warrior / Titan. Alles wegtanken, das Spiel in Ruhe lernen.
- Ihr wollt auf Distanz bleiben und die Drecksarbeit einem Pet überlassen: Witch / Infernalist. Der Hellhound ist das eingebaute Sicherheitsnetz.
- Ihr habt ARPG-Erfahrung und wollt Tempo: Sorceress / Stormweaver – und nehmt in Kauf, ein paar Boden-Slams zu kassieren.
- Ihr mögt Angriffs-Builds, aber Nahkampf ist euch zu langsam: Ranger mit Deadeye für Bogen-Clear, verlangt aber besseres Gear und sauberere Positionierung als die beiden Top-Picks.
Leveling-Gewohnheiten, die mehr zählen als die Klasse
Egal, was ihr nehmt – drei Gewohnheiten halten einen League-Start am Leben. Erstens: Elementarresistenzen bis Ende von Akt 3 auf 75% cappen, denn ungecappte Resistenzen sind Todesursache Nummer eins in der Kampagne. Zweitens: Waffe in jedem Akt upgraden – eine Händler- oder gecraftete Waffe mit höherem Basisschaden schlägt fast jede Passiv-Entscheidung. Drittens: ohne Scheu respeccen, wenn sich ein Build mies anfühlt, denn PoE 2 lässt euch Passivpunkte früh günstig zurücksetzen. Die Ascendancy ist kein lebenslanger Knast.
Wo sich Geld gegen Zeit lohnt – und wo nicht
Beim ersten Charakter solltet ihr die Kampagne selbst durchspielen. So lernt ihr die Encounter, die Gear-Kurve und eure Klasse. Wer sie bei Charakter Nummer eins überspringt, steht in den Maps und hat keine Ahnung, wie der eigene Build eigentlich funktioniert.
Die ehrliche Ausnahme ist der zweite Durchlauf. Wenn ihr die Kampagne schon geschafft habt und einen Alt für eine bestimmte Endgame-Farmstrategie hochzieht, ist ein Campaign-Carry oder ein Leveling-Boost ein vernünftiger Tausch von Geld gegen Zeit – so wie man auch dafür zahlt, einen Film zu überspringen, den man schon gesehen hat. Genauso kann, sobald ihr in den Maps seid und der Flaschenhals die Currency fürs Craften eures ersten echten Upgrades ist, ein gezielter Currency- oder Gold-Kauf einen Build schneller über den Berg bringen als ein Wochenende Farmen – vorausgesetzt, ihr kauft bei einer Quelle, der die Sicherheit eures Accounts wichtig ist. Beim Debüt-Charakter aber: durchspielen. Die Kampagne ist das Tutorial, das wirklich hängen bleibt.
Fazit
Nehmt Warrior / Titan, wenn ihr maximale Überlebensfähigkeit wollt, Witch / Infernalist für einen Fernkampf-Build mit eingebautem Bodyguard, und hebt euch Sorceress / Stormweaver auf, bis ihr die Kämpfe kennt. Alle drei kommen als League-Start bequem ins Endgame. Der größte Fehler ist nicht die Klassenwahl, sondern ungecappte Resistenzen und eine veraltete Waffe – bringt das zuerst in Ordnung, und fast jeder dieser Picks trägt euch bis in die Maps.